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Großbrand in der Hagenstraße

Bild vergrößern: Brand in der Hagenstraße 1959
Feuerwehrleute beim Löschen des Großbrandes der Lederfabriken A. Mühle und A. Kassai. Foto: Kreisarchiv Stormarn.

Über Jahrhunderte bestimmte die Lederverarbeitung (hauptsächlich in Form des Schuhmacherhandwerks) das wirtschaftliche Treiben der Stadt. 1959 endet diese Tradition auf spektakuläre Weise. Die beiden Lederfabriken August Mühle und August Kassai, direkt nebeneinander in der östlichen Hagenstraße gelegen, stehen in Flammen.

Als die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr eintreffen, ist kaum noch etwas zu retten. „Wegen der Gerbgruben ist ein Eindringen der Wehrmänner in die Gebäude nicht möglich“, berichtet die Feuerwehr-Chronik, und weiter: „Kurze Zeit später explodieren die ersten Farbfässer.“ So gewaltig ist die Hitze, dass „brennende Felle, schwebenden Drachen gleich, durch die Luft segeln“ und dadurch auch die benachbarten Fachwerkhäuser in Gefahr bringen.

Erst nach 20 Stunden ist der Einsatz beendet. Die große Katastrophe ist diesmal ausgeblieben, das Feuer hat anders als 1798 nicht auf die dicht bebaute Altstadt übergegriffen. Doch die beiden Gerbereien, die letzten ihrer Art in Bad Oldesloe, liegen in Trümmern. Sie werden ihren Betrieb nicht wieder aufnehmen. Zwei Jahre später werden die übrig gebliebenen Schornsteine vom Technischen Hilfswerk gesprengt. Auf dem Gelände wird 1965 das neue Fernmelde-Knotenamt der Deutschen Bundespost eingeweiht.

An die Lederproduktion in der Hagenstraße erinnert heute nur noch eine aus den Ruinen geborgene Ausreckmaschine, die man unterhalb des Parkhauses Königstraße am Ufer der Trave aufgestellt hat. ma

Verknüpfte Orte: Ehemaliges Fernmelde-Knotenamt, Geborgene Ausreckmaschine