Inhalt

Kanaldeckel aus der Eisengießerei C. Stechel

Bild vergrößern: Einer der beiden gusseisernen Kanaldeckel im Schaulager des Heimatmuseums.
Einer der beiden gusseisernen Kanaldeckel im Schaulager des Heimatmuseums. Foto: Matthias Adrion.

Sie erinnern ein wenig an zu groß geratene Stroopwaffeln: Die beiden gusseisernen Kanaldeckel, die dem Heimatmuseum im Herbst 2023 überlassen wurden, sind eines der wenigen Exponate in unserem Fundus, die direkt auf die Zeit der Industrialisierung verweisen.

Beide Kanaldeckel stammen aus der Fabrik von Carl Stechel in der Turmstraße. Gegründet wurde diese wohl um 1868 durch den auswärtigen Eisengießermeister Heinrich Friedrich Oldenburg.

Von Anfang an wurden hier allerdings nicht nur einzelne Eisenteile, sondern auch ganze Maschinen hergestellt. Erhalten hat sich davon vermutlich keine. Ein anschauliches Beispiel liefert jedoch der „Oberösterreichische landwirtschaftliche Kalender“ des Jahres 1908, der sich im Netz als Digitalisat abrufen lässt: Detailreich wird hier ein der „Milch-Automat Labsal“ beschrieben – ein früher Vorläufer der sogenannten Regiomaten, die sich heute an vielen Bauernhöfen finden.

1909 übernahm Carl Stechel die Eisengießerei und Maschinenfabrik und betrieb sie noch weitere 30 Jahre bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs. Dann verlieren sich seine Spuren. Die Fabrik eröffnete nach dem Krieg nicht wieder.

Schon ab 1907 hatte der (damals noch Oldenburgsche) Betrieb übrigens Konkurrenz in direkter Nachbarschaft: Franz Schärffe, der in Lübeck eine erfolgreiche Maschinenfabrik in Hafennähe führte, expandierte nach Oldesloe und errichtete im Pölitzer Weg ebenfalls eine Eisengießerei. Diese wurde 1934 vom Hamburger Industrieunternehmen Kampnagel übernommen.

Erst in den Siebziger Jahren war dann endgültig „Schluss mit Metallguss“ in Bad Oldesloe. Die ehemalige Industriebrache an der Kampstraße wurde mittlerweile vollständig überplant und hat sich zum Wohngebiet Claudiussee gewandelt. ma